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Stellungnahmen zu aktuellen kommunalpolitischen Themen


 

 

Kommunalpolitik in Zeiten von Corona:

 

Bleiben Sie weiterhin vorsichtig, halten Sie Abstand! Meiden Sie Räume und Plätze mit vielen Menschen, waschen Sie nach jedem Draußengang gründlich die Hände. Vergessen Sie die Maske nicht, wenn Sie nach draußen gehen. Die Gefahr der Infektion bleibt weiterhin bestehen trotz Lockerungen des Lockdowns.

 

 


 

 

19.10.2020

 

NS-Geschichte Bonnland/Lager Hammelburg - Wann wird eine Gedenktafel geschaffen?

 

Seit 1956 weiß die Bundeswehr im Lager Hammelburg um die Historie Bonnlands: ehemals Jüdische Gemeinde, Zwangsabsiedlung der Einwohner 1937/38. Die jüdischen Familien mussten ohne Entschädigung gehen. Sie bekamen keine Ersatzhäuser anderswo, geschweige denn Geld für den Umzug. Auch der Schlossherr von Greifenstein wurde 1938 zwangsumgesiedelt. Danach übten Truppen der deutschen Wehrmacht in Bonnland den Überfall auf Polen. Am 10. November 1938 Schändung des Synagogenraums in Schloss Greifenstein; 1939 bauliche Beseitigung des jüdischen Sakralraums.

Bis heute keine Erinnerung an die einstige Synagoge und Jüdische Gemeinde Bonnlands. Bis heute keine Gedenktafel für die Opfer des Holocaust, die aus Bonnland kamen. Die Verlegung von "Stolpersteinen" wurde am 12.10.2020 durch Beschluss des Hammelburger Stadtrates erneut verboten. Damit ist auch eine Verlegung von "Stolpersteinen" auf Schloss Greifenstein nicht möglich. Die Bundeswehr und die Stadt Hammelburg stehen in der Pflicht, 75 Jahre nach 1945 endlich eine Form der Erinnerung zu schaffen. 

 

 

Sendy Stein, geb. Dessauer

Geboren 1910 in Bonnland, Tochter von Hermann und Emma Dessauer. Am 25. April 1942 mit Ehemann Arthur Stein und drei Söhnen nach Krascnyzin/Lublin deportiert. Die gesamte Familie wurde Opfer des Holocaust.

 

Sendy Stein, geb. Dessauer, geb. 1910 in Bonnland

Arthur Stein, geb. 1910 in Thüngen

Werner Stein, geb. 1932

Herbert Stein, geb. 1935

Isidor Stein, geb. 1938

 

Deportationsliste vom 3. April 1942, Gestapo Würzburg

Die Eltern bzw. Großeltern Hermann und Emma Dessauer wurden in demselben Transport in den Osten "evakuiert". Drie Generationen wurden im Holocaust ermordet.

 

Foto privat: Sendy Stein, geb. Dessauer

 

 

 Die Schändung der Synagoge Bonnlands: 10. November 1938

 

Die Regenburger Architektur-Historikerin Cornelia Berger-Dittscheid hat durch Forschungen nachgewiesen, dass sich die einstige Synagoge Bonnlands nicht im Dorf Bonnland, sondern im nahegelegenen Schloss Greifenstein befand. Es war ein Raum im Schlossgebäude, den die freigeistigen Schlossherren Gleichen-Russwurm, die mit Friedrich Schiller (1759 - 1805) familiär verbunden waren, der jüdischen Gemeinde als Betsaal zur Verfügung stellten.

Juden wohnten in Bonnland seit dem 16. Jahrhundert. Erstmals wurden im Jahr 1575 jüdische Einwohner am Ort genannt. 1817 gab es 16 Matrikelstellen in Bonnland, das heißt, die Mindestzahl von 10 jüdischen Männern, die zum Abhalten von Gottesdiensten in einer Synagoge notwendig ist, wurde erreicht. 1867 hatte Bonnland 50 jüdische Einwohner, im Jahr 1900 waren es 27. 1925 war der Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Hermann Dessauer.

Zu Beginn der NS-Zeit 1933 lebten noch 8 jüdische Personen in Bonnland. Gottesdienste in der Synagoge konnten nicht mehr abgehalten werden, da die notwendige Mindestzahl, das sog. Minjan, nicht mehr erreicht wurde. Infolge der zunehmenden nationalsozialstischen Verfolgung emigrierten 1937 drei jüdische Einwohner in die USA, sodass 1938 nur noch 5 Juden in Bonnland gewohnt haben. Quellennachweis: Dr. Joachim Hahn, http://www.alemannia-judaica.de/bonnland_synagoge.htm.

Bei den Novemberpogromen 1938 wurden reichsweit auch jene Synagogen zerstört und geschändet, die nicht mehr zum Abhalten von Gottesdiensten genutzt wurden, weil zu viele Männer des Ortes bereits abgewandert waren und das Minjan nicht mehr erreicht werden konnte. Im Bezirk Hammelburg war das 1938 in den Synagogen der Gemeinden Dittlofsroda, Westheim und Untererthal der Fall. Die genannten Synagogen wurden trotzdem am Tag des Pogroms (10. November 1938) geschändet.

 

Auf diesem Hintergrund ist mit sehr großer historischer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die SA-Sturmführer Hammelburgs, Hartmann und Weippert, am 10.11.1938 auch den Synagogenraum auf Schloss Greifenstein schänden ließen und die verwaiste Synagoge Bonnlands nicht verschont haben. In Akten der Spruchkammer Hammelburg liegen Zeugenaussagen vor, die diese Vermutung bestätigen: Am 10. November 1938 um ca. 10 Uhr fuhren Männer des NSKK-Sturms mit dem Motorrad nach Bonnland. Auch war nach dem Stand der polizeilichen Ermittlungen von 1946 der langjährige Obertruppführer des Hammelburger NSKK, Heinrich Lang, an der Planung der Pogrome im Bezirk Hammelburg maßgeblich beteiligt. (Quellennachweis: Spruchkammerakte Heinrich Lang, Spruchkammer Hammelburg, Staatsarchiv Würzburg). 

 

Bonnland gehört seit der Gebietsreform 1972 zur Gemarkung der Stadt Hammelburg. Auch in Bonnland (Schloss Greifenstein) müsste von der Stadt eine Gedenktafel in Erinnerung an die einstige Synagoge und für die Opfer des Holocaust geschaffen werden. Nach aktueller Quellenlage des Bundesarchivs Berlin und der Yad Vashem Data Base sind es sieben in Bonnland geborene bzw. dort wohnende jüdische Männer und Frauen, die im Holocaust ermordet wurden: 

 

Hermann Dessauer, geb. 1882 in Bonnland    Yad Vashem   Bundesarchiv Berlin

Emma Dessauer, geb. Hirsch, geb. 1883    Yad Vashem    Bundesarchiv Berlin

Johanna Frank, geb. Goldbach, geb. 1864 in Bonnland   Yad Vashem  Bundesarchiv Berlin

Ernestine Hahn, geb. Frank, geb. 1882 in Bonnland     Yad Vashem    Bundesarchiv Berlin

Ludwig Hecht, geb. 1866 in Bonnland   Yad Vashem    Bundesarchiv Berlin

Regina Katzmann, geb. Hecht, geb. 1877 in Bonnland     Yad Vashem   Bundesarchiv Berlin

Sendy Stein, geb. Dessauer, geb. 1910 in Bonnland   Bundesarchiv Berlin   Yad Vashem

 

 

 

Jüdischer Friedhof Pfaffenhausen

Begräbnisstätte verstorbener jüdischer Bewohner Bonnlands bis 1938

 

 


 

 

17.10.2020

 

Schützengesellschaft Hammelburg -  Jüdische Mitglieder

Zum Gedenken an Albert Samuel Capell - Selma Capell - Hermann Capell

 

Auch die "Königlich privilegierte Schützengesellschaft Hammelburg von 1462" hatte jüdische Mitglieder vor 1933. Einer der besten Schützen in der Weimarer Zeit war der Jude Albert Capell, geb. 1893 in Rheinbach. Er war Kriegsversehrter des Ersten Weltkrieges und Träger des Eisernen Kreuzes. 1919 war Albert Capell Kandidat des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten im Stadtrat von Düren.

1920 ist der damals 27-jährige Kaufmann aus dem Rhein-Sieg-Kreis (NRW) nach Hammelburg zugezogen und hat im Haus der Familie Oppenheimer (Weihertorstraße 1) ein Schuhgeschäft eröffnet. Er war mit Selma Stern verheiratet, sie stammte aus Schönebeck (Sachsen). Zwei Kinder wurden in Hammelburg geboren: Tochter Johanna 1921 und Hermann 1923.

Bereits 1930 wurde Albert Capell wohl durch Einflussnahme der im Juni 1930 neu gegründeten NSDAP-Ortsgruppe zur Aufgabe seines Geschäftes gezwungen. Das Haus der jüdischen Familie Oppenheimer, in dem sich sein Schuhgeschäft befand, ging 1930 in den Besitz der Bezirkssparkasse Hammelburg über. Am 9.5.1929 verstarb der Besitzer des Hauses, Hermann Oppenheimer, dessen Sohn Heinrich im Ersten Welltkrieg 1915 gefallen ist.

 

 

Hammelburg um 1920: rechts das Haus der Familie

Hermann Oppenheimer (+ 1929) und Pauline Oppenheimer, geb. Katz (+1914)

 

Auch Kurt Steinkritzer (Marktplatz 14), Ludwig Schuster (Kissinger Straße 12) und Ferdinand Nussbaum (Kissinger Straße 17) mussten um 1930 ihr Geschäft aufgeben. Die Banken der Stadt gaben vermutlich auf Betreiben des nationalsozialistischen Rechtsanwaltes und Insolvenzverwalters am Amtsgericht Hammelburg, Raimund Rüth, keine Kredite mehr.

Albert Capell wohnte mit seiner Familie noch bis 30. Dezember 1938 in Hammelburg in der von-Hess-Straße 14 im Haus von Dora und Heinrich Katz, das am 4.5.1939 vom Kreiskrankenhaus arisiert wurde (Quelle: Karl Stöckner, Seite 44 und 66, Stadtarchiv Hammelburg). Nach diesen Angaben war die Familie zum Zeitpunkt des Pogroms noch in Hammelburg. Danach war ihr Wohnsitz Dortmund. Von dort wurden die Eltern im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, im Oktober 1944 nach Auschwitz.

Sohn Hermann war von 1939 - 1942 Auszubildender im Jüdischen Lehrgut Groß Breesen (Trebnitz/Schlesien), das 1936 von der Jüdischen Reichsvertretung gegründet wurde. Hier war auch Horst Steinkritzer. Nach Schließung des Lehrgutes 1942 durch die Gestapo wurde Hermann Capell zur Zwangsarbeit  im Jüdischen Forsteinsatzlager Hasenfelde (Brandenburg) verpflichtet. Der 19-Jährige wurde im April 1943 von Berlin nach Auschwitz deportiert. Außer der Tochter wurde die gesamte Familie Opfer des Holocaust in Auschwitz.

 

Die Gedenktafel am Seelhausplatz nennt nur Hermann Capell. Die Eltern sind nicht genannt. Das kann so nicht bleiben. Vgl. Gedenkbuch des Bundesarchivs Berlin bzw. die Yad Vashem Data Base.

 

Selma Capell - Albert Samuel CapellHermann Capell

 


 

 

 In Dortmund wurden für die Familie Capell  in der Haydnstraße 37 drei Stolpersteine verlegt.

An der ablehnenden Haltung der Fraktion der Grünen in Hammelburg 

ist eine  Verlegung von "Stolpersteinen" in Hammelburg am 12.10.2020 erneut gescheitert.

Was ist mit den "Grünen" in Hammelburg los?

 

 


 

 

16.10.2020

 

Die jüdische Gründungsgeschichte des 1. FC Hammelburg 1913

Isaak Rothschild und Ludwig Schuster - zwei sportbegeisterte jüdische Jugendliche

 

"Es war am Dreikönigstag des Jahres 1913. Im Nebenzimmer der Gastwirtschaft "Anton Herbst" (jetzt "Bayerischer Hof") fanden sich 13 junge Leute zusammen, um einen Fußballverein aus der Taufe zu heben. Die Gründungsversammlung wählte Guido Göbel zum 1. Vorsitzenden." So lautet in der Webseite des 1. FC Hammelburg die Darstellung der Gründungsgeschichte des FC Hammelburg, der 2013 sein 100-jähriges Bestehen feierte. Dass zu den Gründungsmitgliedern im Jahr 1913 auch jüdische Fußballspieler gehörten, wird bis heute verschwiegen. 

Einer von ihnen war Isaak Rothschild, "Voluntär, ledig, israelitisch, zugezogen am 2.1.1913, Untermieter bei Adolf Nussbaum (Hammelburg, Bahnhofstraße 3), stammte aus Schlüchtern", so heißt es in der Dokumentation Karl Stöckners, Fundmaterialien von einstmaligen jüdischen Bürgern Hammelburgs, Seite 53/54 (Stadtarchiv Hammelburg). Isaak Rothschild wurde am 11. Sept. 1894 in Schlüchtern geboren.  Im Alter von 18 Jahren zog er nach Hammelburg und wurde am 6. Jan. 1913 zum 1. Schriftführer des 1. FC Hammelburg gewählt. 1914 wurde er 1. Vorsitzender des Vereins. Isaak Rothschild ist laut Sterbeurkunde des Standesamtes Hammelburg im Ersten Weltkrieg am 21. Nov. 1915 in Nordfrankreich gefallen. 

 

Ein weiteres jüdisches Gründungsmitglied 1913 war der damals 14-jährige Ludwig Schuster, geb. am 30. Aug. 1898 in Hammelburg. Sein Vater war Seinar Simon Schuster, geb. 1850 in Sterbfritz bei Schlüchtern, Bürgerrechtsverleihung in Hammelburg am 10.05. 1882 (Stöckner, Seite 99), wohnhaft im Hause Nr. 401 (Kissinger Straße 12). Ludwigs Mutter war Ricka Schuster, geborene Gundersheim, geb. 1857 in Rimpar.

In der Weimarer Zeit war Ludwig Schuster der beste Fußballer des 1. FC Hammelburg. Mit Beginn der NS-Zeit in Hammelburg (1930) erfolgte die Ausgrenzung aus dem Fußballverein, das Geschäft Ludwig Schusters in der Kissinger Straße 12 wurde 1930 liquidiert und arisiert. Haus und Geschäft mussten verkauft werden, Ludwig zog mit seiner Mutter in die Badgasse in das Haus Nr. 11 (Stöckner, Seite 98).

Am 29. Mai 1933 floh Ludwig Schuster zunächst nach Ägypten. Der Vorstand des 1. FC Hammelburg war jetzt nur noch mit Nationalsozialisten besetzt (Eduard Kessler, Raimund Rüth), die keinen jüdischen Spieler im Verein mehr duldeten. Die Gründungsgeschichte des Vereins wurde den neuen politischen Verhältnissen angepasst. Dass es 1913 jüdische Gründungsmitglieder gab, wurde verschwiegen.

 

Am 1.11.1934 kehrte Ludwig Schuster aus Ägypten nach Hammelburg zurück, sechs Monate später (20.4.1935) wanderte er rmit seiner Frau Rita, geb. Weigersheimer (geb. 1899 in Hessdorf/Kreis Gemünden), und deren Mutter Klara Weigersheimer (80 Jahre) endgültig nach Palästina aus und kam nicht mehr zurück. Zurück in Hammelburg blieb Ludwigs Mutter Rika Schuster. Die 79-Jährige verzog am 26.8.1936 nach Bonn zu ihrer Tochter Elisa Salm, sie kehrte am 24.8.1937 nach Hammelburg zurück und übersiedelte am 11.10.1937 wieder nach Bonn. Von Bonn aus wurde sie im Alter von 84 Jahren im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und Opfer des Holocaust ( + 13.8.1942). Für die Mutter des jüdischen Fußballers, der 1913 den 1. FC Hammelburg mitgegründet hat, könnte in Hammelburg ein "Stolperstein" verlegt werden. 

 


Die Verlegung von Stolpersteinen ermöglicht die Darstellung der Lebensläufe und Familiengeschichten in einer eigenen Internet-Präsenz, was eine weltweite Vernetzung von Daten und Informationen ermöglicht. Es ist sehr bedauerlich, dass ausgerechnet die grüne Fraktion in Hammelburg und die Fraktion "Generation Z" aus rein persönlichen Gründen diese Chancen und Möglichkeiten einer ganz anderen Gedenkpolitik, die sich weltweit verbindet und vernetzt, nicht sieht und dadurch insbesondere den Hammelburger Schulen Chancen verbaut. Es ist des Weiteren mehr als bedauerlich, dass ausgerechnet diese Thematik von den regierenden Mehrheitsfraktionen zu einem machtpolitischen Showdown genutzt wurde nach dem Motto: "Wir haben sowieso immer die Mehrheit, die Ja- und Nein-Stimmen müssen ja gar nicht mehr genau gezählt werden." 


 

 

15.10.2020

 

Stadtrat Hammelburg

Wiederholt falsch gezählte Abstimmungsergebnisse - Zufall oder Arroganz der Macht?

 

Die Exekutive des schwarz-grün regierten Stadtrates in Hammelburg beherrscht offensichtlich nicht mehr das Zusammenzählen von Stimmen im Zahlenraum 0 - 23. 

Wie die Lokalpresse heute berichtet, kam es nun bereits zum zweiten Mal bei Abstimmungen zu Fehlern beim Addieren der Ja- und Nein-Stimmen. Der "Stolpersteinbeschluss" vom Montag hatte nicht, wie gestern berichtet, 16 Nein-Stimmen und 7 Ja-Stimmen, sondern 15 Nein-Stimmen und 8 Ja-Stimmen. Das ändert insgesamt nichts am Ergebnis der Abstimmung: die Verlegung der Gedenksteine wurde mehrheitlich abgelehnt. 

Für die Verlegung stimmten laut Pressebericht von heute 4 Stadträte des CBB, 2 Stadträte der SPD, der 3. Bürgermeister Christian Fenn (Fraktion Junge Liste) und Stadtrat Edmund Schaupp von der Gauaschacher Fraktion H.A.B. Gegen die Verlegung stimmten die regierenden Fraktionen Schwarz-Grün, unterstützt von Emma Bindrum (Generation Z) und Gabi Ebert, Fraktion FWS Westheim.

Die Grünen und die Generation Z stehen wegen ihres Abstimmungsverhaltens massiv in der Kritik; von der CSU wurde die Ablehnung nicht anders erwartet. Mit den Stimmen der Grünen und der Generation Z ( + 4 weitere Ja-Stimmen) wäre das Abstimmungsergebnis entscheidend anders ausgefallen: mit 12 Ja-Stimmen gegen 11 Nein-Stimmen wäre eine Verlegung der Gedenksteine möglich geworden. 

 

Das ablehende Abstimmungsverhalten der grünen Fraktion ist ein Tiefschlag für die Gedenkpolitik in Hammelburg. Alles bleibt beim Alten: eine Gedenktafel, die die Verfolgung und Ermordung von ein Dutzend jüdischer Kinder, Jugendlicher und Senioren verschweigt. Keine weitere Aufarbeitung der NS-Zeit, keine Darstellung von Einzelschicksalen und Lebenswegen, die nachkommende Generationen vor Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus warnen und bewahren könnten. Das Abstimmungsverhalten der grünen Fraktion zeigt, wie sehr Macht und Arroganz einhergehen mit dem Verlust parteipolitischer Identität.

 

 

14.10.2020

 

Gedenkpolitik in Hammelburg

Stadtrat verbietet erneut Verlegung von "Stolpersteinen" 

 

Hammelburg bleibt im Unterschied zu vielen anderen Städten Europas weiterhin ein sehr schwieriges "gedenkpolitisches" Pflaster. Obwohl der Zentralsratsvorsitzende der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, das "Stolperstein-Projekt" des Kölner Künstlers Günter Demnig nicht ablehnt, sondern sich erst kürzlich in Bad Brückenau für diese Form des Gedenkens ausgesprochen hat, hat sich der Hammelburger Stadtrat nun erneut zum 3. Mal gegen die Verlegung dieser Gedenksteine ausgesprochen.

Die Entscheidung fiel klar und deutlich aus, mit 16 gegen 7 Stimmen. Schwer nachvollziehbar ist, dass sich auch die grüne Fraktion geschlossen gegen die Verlegung ausgesprochen hat. Was sind Gründe und Hintergründe?

Es gibt in Hammelburg eine Lobby von Hausbesitzern ehemals jüdischer Häuser, die "Stolpersteine" vor ihrem Haus im öffentlichen Gehweg nicht haben wollen. "Das mindert den Immobilienwert, wir reißen den Stein wieder raus, sollte er verlegt werden", so lauteten schon 2010 - nach der ersten Antragstellung durch den damaligen Geschichtskreis Hammelburg - Reaktionen und Äußerungen von Hausbesitzern. Hinzu kommen Bürger, die die Nazivergangenheit eines Vorfahren, für den ein "Stolperstein" verlegt werden könnte, nicht öffentlich thematisiert sehen wollen.

Die CSU-Fraktion argumentierte in der vorgestrigen Sitzung erneut mit Charlotte Knobloch dahingehend, dass auf den Namen der Opfer nicht herumgetreten werden dürfe. Das Denkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges in Hammelburg besteht aber auch aus einer Bodenplatte. Hier regt sich niemand darüber auf, wenn Vertreter der Stadt alljährlich am Volkstrauertag den gefallenen SA-Sturmführern, die die Pogrome im Bezirk Hammelburg in sieben jüdischen Gemeinden am 10. November 1938 vollzogen haben, einen Kranz vor die Füße legen. Die Gedenkpolitik in Hammelburg ist und bleibt voller Widersprüche und Ungereimtheiten.

 

 

In Hammelburg weiterhin von der Politik (CSU/Grüne) verboten: das Kunstprojekt des Kölner Künstlers

Günter Demnig: Verlegung von "Stolpersteinen". 

 

Eine Chance für die Jugend, sich mit der NS-Vergangenheit näher zu beschäftigen, wurde erneut vertan. Das wiederholte Verbot wird junge Menschen und andere Bürger wohl kaum motivieren, eine "Stolperstein-Initiative" jetzt zu gründen. Die Argumentation der Grünen, man hätte einer Verlegung zugestimmt, wenn die Antragstellung nicht von Politikern und Fraktionen des Stadtrates, sondern von Bürgern selbst ausgegangen wäre, ist schlicht und einfach politisch verlogen. Wer gründet denn eine Initiative, ohne für die Zielsetzung die baurechtliche Genehmigung zu haben? Wenn der Stadtrat vorgestern diese Genehmigung gegeben hätte, hätten sich Bürger mit Sicherheit zu einer Stolperstein-Initiative zusammengefunden. Die erneute Ablehnung durch den Stadtrat blockiert das bürgerliche Engagement im Bereich der Gedenkpolitik ab, anstatt es zu fördern. 

 

Die Gedenktafel am Seelhausplatz müsste 60 Namen umfassen, sie nennt aktuell nur 33 Namen.

Zwei Namen sind falsch genannt, über zwei Dutzend fehlen. 

Wann wird die Tafel von der Stadt erneuert?

 

Foto: Günter Demnig

 


 

 

12.10.2020

 

Stadtratssitzung heute

Beratung zum Antrag von CBB/SPD: Stolpersteinverlegung in Hammelburg

 

Gedenktafel am Seelhausplatz erneuern: die fehlenden jüdischen Senioren

 

Nicht nur ein halbes Dutzend Kinder und Jugendlicher fehlt auf der Gedenktafel des Seelhausplatzes, sondern auch ein halbes Dutzend Senioren der damaligen Jüdischen Gemeinde Hammelburgs. "Wohin mit Oma und Opa?", vor dieser bedrängenden Frage standen 1936 - 1939 sämtliche jüdische Familien der Stadt, die in die Auswanderung gezwungen wurden durch Zwangsverkauf des Hauses und Geschäftes. Wohin jetzt mit dem Großvater, wohin mit der Großmutter, die zuhause betreut und gepflegt wurden?

Das damalige Bürgerspital in Hammelburg nahm jüdische Senioren nicht auf, es mussten von den Sternschwestern die Rassengesetze eingehalten werden. Auch die sog. "Pfründneranstalt" in der von-Hess-Straße, die dem damaligen Bezirkskrankenhaus angeschlossen war und 1934 nach den Plänen des Münchner NS-Architekten Buchner saniert wurde, nahm keine Juden auf. Wer hier als Senior (Pfründner) einen Platz finden wollte, musste die "rein-arische" Abstammung nachweisen.

 

Diese jüdischen Familien hatten in der NS-Zeit betreuungsbedürftige Großeltern zuhause wohnen:

 

1. Familie Max Hamburger, Bahnhofstraße 10: hier war Großvater Abraham Hamburger zuhause, geb. am 25.12.1852 in Hammelburg. Hier wohnte in der NS-Zeit auch Elise Meier, geb. am 11.7.1856 in Gnodstadt (bei Ochsenfurt), sie war die Schwiegermutter Max Hamburgers. Am 7. März 1938 zog die gesamte Familie unter dem Druck der Nazi-Herrschaft mit beiden Senioren aus Hammelburg weg. Im Stadtarchiv Hammelburg sind die Wegzugsdaten bei Karl Stöckner, Seite 37/38, festgehalten: Max Hamburger, 57 Jahre, Klara Hamburger, geb. Meier, 53 Jahre, und Abraham Hamburger, 85 Jahre, sind am 7.3.1938 nach Frankfurt a. M. in den Reuterweg 91/I "umgesiedelt". Elise Meier, geb. Klein, 81 Jahre, zog zunächst zurück in ihren Heimatort nach Gnodstadt, wo sie aber nicht bleiben konnte.

 

 

Abraham Hamburger starb sieben Wochen nach dem Wegzug aus Hammelburg am 26. April 1938 in Frankfurt a. M. Er wurde im Jüdischen Friedhof in der Eckenheimer Landstraße 238 in Frankfurt a. M. beerdigt. Elise Meier zog 1938 zu ihrer Tochter Klara nach Frankfurt a. M. Die 82-Jährige wurde von dort am 18.8.1942 nach Theresienstadt deportiert und Opfer des Holocaust. 

 

Die Stadt Hammelburg wird gebeten, den beiden hochbetagten jüdischen Senioren des Hauses Hamburger, Bahnhofstraße 10 - Abraham Hamburger und Elise Meier - auf der Gedenktafel am Seelhausplatz ein würdiges Gedenken zu setzen und ihre Namen auf die Tafel aufzunehmen. Beide Senioren waren Verfolgte des NS-Regimes und wurden Opfer der rassistischen Vertreibungspolitik, beide starben in der NS-Zeit vor Kriegsende 8. Mai 1945. 

 

2. Familie Adolf Stühler, Kissinger Straße 31: Hier im Hause des jüdischen Viehhändlers Adolf Stühler und seiner Frau Jenny, geb. Brunngässer, wurden in der NS-Zeit zwei Senioren betreut: die hochbetagte Mutter des Adolf Stühler: Jette Stühler, geb. Rosenbusch, geb. am 21.07.1856 in Schwanfeld/Kreis Schweinfurt, und Abraham Brunngässer, der Vater Jenny Stühlers, der 1855 in Bastheim geboren wurde. Karl Stöckner hat in seiner Dokumentation (Stadtarchiv Hammelburg 2000) auf Seite 38 festgehalten, dass die 82-jährige Jette Stühler am 5. Juli 1938 nach Würzburg in das Jüdische Altersheim, Dürerstraße 20,  umgezogen ist. Abraham Brunngässer (83 Jahre) ist laut Stöckner, Seite 38, am 4. Oktober 1938 von Hammelburg nach Frankfurt a. M. in die Niedenaustraße 43 "übersiedelt", wo er aber nicht bleiben konnte, denn zu schrecklich waren nur einen Monat später am 9./10. November 1938 die Pogromgeschehnisse in Frankfurt a. M. Abraham Brunngässer zog nach dem Pogrom wieder zurück in die Heimat, aber eine Rückkehr nach Bastheim oder nach Hammelburg war nicht mehr möglich, denn auch hier wurden die jüdischen Wohnungen barbarisch demoliert. So zog Abraham Brunngässer nach den Novemberpogromen 1938 in das Jüdische Altersheim nach Würzburg. Einen Monat vor der Deportation aller Heiminsassen nach Theresienstadt (23.9.1942) starb er im August 1942. Abraham Brunngässer wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Würzburg, Siemensstraße beerdigt:

 

 

Jette Stühler wurde am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und Opfer des Holocaust. Sie ist auf der Gedenktafel genannt. Die Stadt Hammelburg wird gebeten, auch Abraham Brunngässer auf die Gedenktafel des Seelhausplatzes aufzunehmen, denn auch er war Opfer der rassistischen Vertreibungspolitik der Nazis. Sein letzter freiwilliger Wohnsitz war Hammelburg, Kissinger Straße 31. Foto: Jüdischer Friedhof Würzburg, Werner-von-Siemensstraße (Grombühl).

 

3. Familie Fanny Bauman, geb. Sichel, Kissinger Straße 8: Hier wohnte im hohen Alter der stadtbekannte jüdische Senior Samuel Sichel, geb. am 6.6.1851 in Veitshöchheim. Seit 1875 war er in Hammelburg ansässig, am 20.10.1876 erhielt der jüdische Getreidehändler das Bürgerrecht der Stadt verliehen. Bereits mit 31 Jahren wurde Samuel Sichel Kultusvorstand der Hammelburger Synagogegemeinde und versah dieses Amt von 1882 - 1897. In der NS-Zeit hat der jüdische Senior Furchtbares mitgemacht, er wurde den Fackelzügen der SA vorangetrieben. Mehrfach wurde er verhaftet, zuletzt am Tag des Pogroms (10.11.1938). Am 13. Dezember 1938 ist Samuel Sichel unter dem Druck der Nazi-Herrschaft nach Würzburg in das Jüdische Altersheim umgezogen, wo er am 18. Januar 1939 gestorben ist. "Wo ist mein Großvater, warum ist er auf der Tafel nicht genannt?" Das war die erste Frage und Reaktion Arnold Samuels, des Enkels Samuel Sichels, als er die Gedenktafel erstmals sah 2013 bei seinem letzten Besuch in Hammelburg. Dass der langjährige Kultusvorstand der Hammelburger Synagoge auf der Gedenktafel keine Aufnahme fand, obwohl er nachweislich Opfer der Verfolgung und Nazi-Vertreibungspolitik wurde, bleibt für die Nachfahren der jüdischen Familie ein Affront. 

 

 

Eine Beerdigung Samuel Sichels auf dem Jüdischen Friedhof Pfaffenhausen war 1939 nicht mehr möglich. Der Friedhof lag seit Ende November 1938 schwer geschändet. Über 1000 Grabsteine lagen umgekippt, die Inschriftentafeln aus Metall oder Marmor wurden abgeschraubt. - Die Stadt Hammelburg wird gebeten, den langjährigen Kultusvorstand Hammelburgs, Samuel Sichel, auf die Gedenktafel des Seelhausplatzes aufzunehmen. Er war nachweislich Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft und rassistischen Vertreibungspolitik. Foto: Jüdischer Friedhof Würzburg, Werner-von-Siemensstraße.

 

4. Familie Siegfried und Betty Frank, Weihertorstraße 5: Hier wohnten die Eltern des Siegfried Frank, Abraham und Mali Frank. Die streng religiös jüdische Familie kam aus Willmars und wohnte seit der frühen Weimarer Zeit (1923) in Hammelburg. In der Weihertorstraße 5 betrieb Betty Frank ein Manufakturwarengeschäft (Stoffe und Wäsche). Siegfried und Betty zogen 1936 mit den Kindern Paul und Ruth aus Hammelburg weg, weil die Schikanen durch lokale Nazis nicht mehr auszuhalten waren. Direkt gegenüber den Franks wohnten in der Weihertorstraße 4 und 6 zwei Fanatiker: Heinrich Lang, Kinobesitzer, NSDAP seit 1923, langjähriger Obertruppführer des NSKK und Ludolf Hoch, Schriftführer des Kreisgerichts der NSDAP, 3. Nazi-Bürgermeister 1935/36, Mitarbeiter des SD, Geheimdienst der NSDAP. Was dieser "feine Herr" 1936 in einem Protokoll einer Kreisgerichtssitzung über die Juden und das Judentum der Nachwelt hinterlassen hat, ist nicht zitierfähig. Es verwundert nicht, dass die Franks die Flucht ergriffen und am 1. Juni 1936 nach Hamburg Altona Blankenese umgezogen sind. Die Großeltern Abraham und Mali blieben zurück. Ihre Wohnung in der Weihertorstraße 5 wurde am Tag des Pogroms barbarisch demoliert. Abraham Frank wurde verhaftet und ins Gefängnis abgeführt. Am 27. Dezember 1938 sind Abraham (77 Jahre) und seine Frau Mali, geb. Strauß aus Dittlofsroda (67 Jahre), in das Jüdische Altersheim nach Würzburg "übersiedelt" (Stöckner, Seite 40). Abraham Frank starb am 12. Januar 1939 in Würzburg. Seine Grabstätte findet sich nicht im Jüdischen Friedhof Würzburg/Siemensstraße, möglicherweise wurde er im Jüdischen Friedhof Würzburg-Heidingsfeld beerdigt.

 

Die Stadt Hammelburg wird gebeten, auch den jüdischen Senior Abraham Frank, der nachweislich Opfer der Nazi-Vertreibungspolitik wurde, auf die Gedenktafel des Seelhausplatzes aufzunehmen und auch ihm so wie allen anderen vergessenen jüdischen Senioren ein würdiges Gedenken zu setzen. 

 

4. Familie Schleßinger, Bahnhofstraße 4: Berthold Schleßinger wurde am 4.11.1854 in Hammelburg geboren. Seine Eltern waren David und Regina Schleßinger. 1869 absolvierte Berthold die Königliche Lateinschule Hammelburg, anschließend besuchte er das Königl. Realgymnasium in Würzburg. 1877 heiratete er Mina Schleßinger (* 3.3.1857 in Hammelburg). Er übernahm im selben Jahr das Geschäft seiner Eltern. Nach dem Tod seiner Ehefrau Mina (16.3.1919) konvertierte Berthold Schleßinger zum katholischen Glauben. Er war mit Stadtpfarrer Johannes Martin eng befreundet. Über viele Jahre bis zur Machtübernahme der Nazis 1933 leitete er rechnungsmäßig den Darlehenskassenverein Hammelburg. Dann zog er sich aus dem Vorstand zurück. Er starb am 19. Februar 1941 im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in der Bahnhofstraße 4, durfte ab er nicht, obwohl er Katholik war, im städtischen Friedhof beerdigt werden "aus Rassegründen". Der Jüdische Friedhof Pfaffenhausen war geschändet, dort konnte er auch nicht beerdigt werden. Eine Woche lang suchte Stadtpfarrer Johannes Martin im Februar 1941 verzweifelt nach einem Begräbnisplatz für Berthold Schleßinger, der schließlich im Friedhof des Klosters Altstadt seine letzte Ruhe fand und nach Kriegsende umgebettet wurde in den städtischen Friedhof Hammelburg. 

  

Selbst nach dem Tode wurde man von den Nazis noch rassistisch beurteilt und verfolgt. Das Schicksal Berthold Schlessingers darf der Nachwelt nicht verschwiegen werden. Die Stadt Hammelburg wird gebeten, auch Berthold Schlessinger auf die Gedenktafel des Seelhausplatzes aufzunehmen. Er war bis 1919 Mitglied der Jüdischen Kultusgemeinde Hammelburg. Seine Familie gehörte zu den ältesten jüdischen Familien der Stadt.

 

 

 

 

Gedenktafel am Seelhausplatz erneuern

Die Namen der vergessenen und nicht namenlos gebliebenen jüdischen Kinder,

Jugendlichen und Senioren ergänzen.

 

Der Deportationsort von Ella Steinkritzer, geb. Straus (nicht Strauß)

ist nicht unbekannt, wie auf der Tafel angegeben ist.

Ella Steinkritzer wurde nachweislich mit ihrem Sohn Klaus am 1.4.1942 in das Ghetto Warschau deportiert.

Vgl. https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_420331.html

Siehe Liste des Gestapobereichs Bielefeld (letzte Seite).

Ella und Klaus Steinkritzer hatten die Dep. - Nr. 304 und 305.

Sie kamen mit dem Transport D a 6, der ursprünglich nach Trawniki/Lublin fahren sollte,

aber nach Warschau umgeleitet wurde,

am frühen Morgen des 2. April 1942 zusammen mit 1000 Juden aus Gelsenkirchen

Hannover-Bielefeld-Braunschweig im Ghetto Warschau an.

In Warschau war Ludwig Leist, ehemals Gemeinderat von Pfaffenhausen/Hammelburg,

Gründer des SA-Sturms Hammelburg 1930 und später SA-Sandartenführer und NS-Stadtrat in Würzburg,

deutscher Stadthauptmann von September 1941 - Juli 1944.

Leist war in Warschau maßgeblich an antijüdischen Aktionen beteiligt und richtete

am 7.8.1940 das Warschauer Ghetto ein.

 

 


 

 

 

11.10.2020

 

Warum "Stolpersteine" verlegen?

Einzelschicksale werden erforscht und dargestellt

 

Das wichtigtse Argument für die Verlegung von "Stolpersteinen" ist, dass Bürgerinnen und Bürger von sich aus, aus eigener innerer Motivation und ohne politische Beauftragung den Lebensweg und das Schicksal einzelner Opfer des Holocaust erforschen und darstellen. Kein Staat und keine Behörde kann dieses ehrenamtliche Tun ersetzen, geschweige denn bezahlen. Das Kunstprojekt des Günter Demnig hat in vielen Städten Europas unvorhergesehen eine ehrenamtliche Forschungswelle ausgelöst. Kostenfrei werden die Erkenntnisse der einzelnen Stolperstein-Initiativen im Internet veröffentlicht und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. 

 

 

 

Margot Steinkritzer im Frühjahr 1941

im Antonienheim in München Schwabing im Alter von  ca. 15 Jahren. 

 

Ein Jahr später - im April 1942 - wurde sie deportiert. Die anderen jüdischen Mädchen des Antonienheims wurden bereits im November 1941 abgeholt, deportiert und erschossen.  Margot hatte zunächst Glück im Unglück, sie kam im Herbst 1941 zur Zwangsarbeit in die Flachsröste nach München Lohhof Unterschleißheim. Sechs Monate später, am 4. April 1942, wurde sie deportiert in Richtung Ghetto Piaski.

Deportationsliste München-Piaski (4.4.1942 ab München-Milbersthofen)

Es gibt Quellen, die davon sprechen, dass der Transport München-Piaski über das Ghetto Warschau umgeleitet wurde, wo Margot auf die Mutter und ihren Bruder Klaus traf. Am 2. April 1942 kamen Ella und Klaus Steinkritzer mit einem Transport aus Gelschenkirchen im Ghetto Warschau an. In der Quarantänestation des Ghettos muss die Familie aufeinander getroffen sein. Wie es danach weiterging, ist unbekannt. Im Juli 1942 begannen im Ghetto Warschau die Deportationen in das Vernichtungslager Treblinka. Das oben veröffentlichte Foto stammt aus Dokumenten des KZ Riga. Die Herkunft des Fotos kann ein Hinweis darauf sein, dass Margot und auch ihr Bruder Klaus der Ermordung in Treblinka möglicherweise entkommen sind und von Warschau nach Riga weiter deportiert wurden.

Lebensweg: Margot Steinkritzer

 

1926: Geburt in Hammelburg - 1929: Trennung der Eltern - 1932: Einschulung in die Volksschule Hammelburg

1937: Wegzug in das Jüdische Waisenhaus Esslingen - 1939: Umzug zur Mutter nach Würzburg

1940: Umzug nach München in das Antonienheim - 1941: Zwangsarbeit in der Flachsröste Lohhof

1942: Deportation nach Piaski oder Ghetto Warschau/Riga

Letzte Lebenszeugnisse: Fotos aus dem KZ Riga

 

 

 

Klaus Steinkritzer, geb. 1929 in Hammelburg

Einschulung 1935: Volksschule Hammelburg - 1937: Jüdisches Waisenhaus Esslingen

1939: Rückkehr zur Mutter nach Würzburg, danach Schüler in Fürth

Ende März 1942 mit der Mutter nach Ghetto Warschau deportiert - Letzte Lebenspur: KZ Riga

Foto privat: Herkunft KZ Riga

 

 


 

Die Stadt Hammelburg wird gebeten, die Gedenktafel am Seelhausplatz zu erneuern

und die Namen der fehlenden jüdischen Kinder und Jugendlichen zu ergänzen:

 

Benjamin Strauss - Hans Stühler - Klaus Steinkritzer - Horst Steinkritzer

Norbert Neuberger - Ernst Stefan Neuberger

 


 

 

10.10.2020

 

Gedenktafel am Seelhausplatz erneuern

So viele vergessene Namen - Senioren, Kinder und Jugendliche

 

Die Gedenktafel am Seelhausplatz nennt 33 Namen, zwei genannte Personen - Max Hamburger und Hermann Mahlermann - wurden nicht Opfer des Holocaust. Max Hamburger, geb. 1881 in Hammelburg, Sohn des Abraham, ist emigriert und lebte nach Kriegsende 1945 in New York. Er schrieb Briefe aus dem Exil an seine Freunde in Hammelburg (Ruppert Sell). Diese Briefe von 1946 liegen in Spruchkammerakten vor. Diese Briefe sind ein Beweis dafür, dass Max Hamburger nicht deportiert und nicht Opfer des Holocaust wurde.

Der auf der Gedenktafel genannte "Hermann Max Mahlermann" waren zwei Personen, es waren Zwillinge, die 1905 in Fürth geboren wurden. Zu keiner historischen Zeit hat Max Mahlermann in Hammelburg gelebt und gewohnt, nur sein Bruder Hermann. Er war jüdischer Religionslehrer in Hammelburg (1935 - 10.11.1938). Hermann Mahlermann trat 1935 die Nachfolge von Moses Rosenberger an (geb. 1870 in Platz), der 1935 im Alter von 65 Jahren in Pension ging und lange Jahre der Religionslehrer der Jüdischen Gemeinde in Hammelburgs war. 

Nach Überlieferung der Zeitzeugin Ida Müller (Hammelburg) gelang dem 33-jährigen Hermann Mahlermann kurz nach dem Pogrom in Hammelburg die Flucht aus dem Gefängnishof vom Lkw der SA, der inhaftierte Juden vom Amtsgerichtsgefängnis Hammelburg nach Würzburg und von dort weiter in das KZ Dachau bringen sollte. Wo sich der jüdische Religionslehrer anschließend versteckt hielt, ist unbekannt; in seine Wohnung in die Dalbergstraße (Jüdische Religionsschule, wo er eine Dienstwohnung hatte) konnte er nicht mehr zurückkehren, die Wohnung war barbarisch demoliert, selbst die Gitarre hatten die Pogromschläger aus dem Fenster geworfen.

Hermann Mahlermann emigrierte nach 1939 nach Kanada (Winnipeg). Von dort schrieb er 1977 ein Yad-Vashem-Gedenkblatt für seinen in Auschwitz ermordeten Bruder Max. Dieses Gedenkblatt ist der wichtigste Beweis dafür, dass Herrmann Mahlermann, der jüdische Religionslehrer Hammelburgs 1935 - 1938, nicht Opfer des Holocaust wurde.

Warum vor 10 Jahren Bürgermeister Ernst Stross (SPD) und der Historiker Michael Mence, der mit der Konzeption der Gedenktafel des Seelhausplatzes beauftragt war, diese Faktenlage aus der Yad Vashem Data Base, die das Bundesarchiv Berlin in seinem Online-Gedenkbuch gleichlautend bestätigte, nicht zur Kenntnis nahmen, bleibt deren persönliche Entscheidung und Verantwortung. Fakt ist und bleibt die Datenüberlieferung von Yad Vashem und des Gedenkbuchs des Bundesarchivs Berlin. Kein Politiker darf sich über die hier genannten und gesammelten Daten erheben, ansonsten ist und wäre die Stadt Hammelburg im Bereich der Gedenkpolitik bereits vor 10 Jahren im "Trumpschen Zeitalter" der politischen "Faktenkreationen" angekommen.  

Das Online-Gedenkbuch des Bundesarchivs Berlin weist mit Stand vom 09.10.2020 42 jüdische Opfer des Holocaust und der nationalsozialistischen Verfolgung aus, deren Geburts- bzw. Wohnort die Hammelburger Altstadt war und die nachweislich nicht emigriert sind, sondern vor Kriegsende (8. Mai 1945) infolge der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtungspolitik ums Leben kamen.

Dabei sind die in der NS-Zeit gestorbenen jüdischen Senioren der Hammelburger Altstadt - Abraham Hamburger, Abraham Frank, Abraham Brunngässer, Samuel Sichel und Julius Strauß - noch nicht genannt. Auch Berthold Schlessinger fehlt auf der Gedenktafel, dem 1941 die Beerdigung im städtischen Friedhof Hammelburg verweigert wurde, weil er Jude war. Auch die im Holocaust verschollene Familie Stühler (letzter Wohnsitz: Dalbergstraße 49) - Max Stühler mit Ehefrau Paula und Sohn Hans - ist nicht genannt, ebensowenig Emilie Kohls, die eine Tochter der Frieda Katz war. 

Auf der Gedenktafel am Seelhausplatz fehlen über ein Dutzend Namen von Hammelburgern, die nachweislich in der NS-Zeit in der Altstadt gewohnt haben und infolge der Verfolgung gestorben sind (vor Kriegsende 8. Mai 1945).Die Gedenktafel kann so nicht bestehen bleiben. Die Stadt ist es einerseits den Opfern selbst und ihren Nachfahren schuldig, die Namen und Daten möglichst vollständig und korrekt zu benennen, aber auch die heutige Jugend hat ein Recht darauf, dass die digitale Datenüberlieferung zu den Opfern des Holocaust aus Hammelburg möglichst kongruent ist mit dem, was die Stadt selbst auf Gedenktafeln öffentlich bekannt gibt.

Die Gedenktafel am Seelhausplatz ist öffentlich. Hier dürfen nicht Teilwahrheiten verkündet werden. Wenn die Nazis jüdische Kinder ermordet haben, die nur 3 Jahre alt waren, so darf das auf einer Gedenktafel von der Stadt nicht verschwiegen werden. Es ist unannehmbar und ein Ding der Unmöglichkeit, dass man immer noch, selbst 85 Jahre nach kriegesende 1945, darum mit einer Stadt darum ringen muss, dass sie endlich auch die im Holcaust ermordeten Kinder und Jugendlichen, die Bürger dieser Stadt waren, vollständig auf einer öffentlichen Gedenktafel benennt.

 

Auf der Gedenktafel am Seelhausplatz fehlen folgende Namen (nach Lebensalter):

 

Benjamin Strauss, geb. 10.09.1938 in Hammelburg, deportiert 1942 nach Sobibor, 3 Jahre alt

Hans Stühler, geb. 15.07.1928, weggezogen aus Hammelburg am 20.10.1938, 10 Jahre alt, verschollen

Klaus Steinkritzer, geb. 16.07.1929 in Hammelburg, deportiert 1942 nach Ghetto Warschau, 12 Jahre alt

 

 

Die Gedenktafel am Seelhausplatz nennt nur Margot Steinkritzer, geb. 1926, warum nicht die Geschwister Horst Steinkritzer, geb. 1925, und Klaus Steinkritzer, geb. 1929, die beide ebenso Opfer des Holocaust wurden?

 

Neuberger Norbert, geb. 12.04.1930, deportiert mit der Oma Rosa Stern 1942 nach Belcyze, 12 Jahre

Ernst Stefan Neuberger, geb. 20.05.1926, deportiert mit der Oma 1942 nach Belcyze, 16 Jahre

 

 

Yad Vashem: Deportationsliste Plauen 1942

Rosa Stern wurde mit den beiden Enkeln deportiert. Deren einzig verbliebenes Zuhause war seit 1936 Hammelburg, das Haus am Marktplatz 8. Der Vater der Kinder wurde 1935 in Mannheim ermordet und in der elterlichen Wohnung tot aufgefunden. Die Mutter Frieda Neuberger, geb. Stern, zog 1936 mit den Kindern ins Elternhaus nach Hammelburg zurück. Die Familie wollte Anfang November 1938 auswandern in die Schweiz, die Koffer lagen gepackt in der Wohnung, dann kam der Pogrom völlig unerwartet. Die drei Frauen des Hauses Stern, Rosa und ihre Töchter Bettina und Frieda, rannten mit den anwesenden Kindern der Frieda auf die Straße hinaus. Nach dem Pogrom wollten die beiden Buben bei der Oma bleiben und nicht auswandern. Rosa Stern verließ Hammelburg am 28.01.1939 und zog mit  Frieda zunächst nach Frankfurt a. M. in die Rhönstraße 4. Dort entschied sich die Großmutter, nicht zu emigrieren, sie zog nach Mellrichstadt, Heimatort ihres Schwiegersohnes Julius Mantel. In Mellrichstadt wohnte Rosa Stern bis Anfang 1942. Dann musste sie nach Plauen umziehen in ein sog. "Judenhaus" (Karlstraße 10). Ab Plauen erfolgte im Mai 1942 die Deportation in das Ghetto Belzyce, das Ende Mai 1942 aufgelöst wurde. Die verbliebenen Insassen wurden in Vernichtungslager deportiert. Großmütter mit minderjährigen Enkeln wurden meistens sofort nach der Ankunft am Deportationsort selektiert und erschossen. Dass man sich - 78 Jahre - nach diesen Geschehnissen immer noch darum bemühen muss, dass die Enkel der Rosa Stern auf eine Gedenktafel der Stadt Hammelburg aufgenommen werden, ist nicht mehr politisch nachvollziehbar. 

 

Bereits 2010 waren die Daten der ermordeten Kinder und Jugendlichen, deren Heimatort, Zuflucht und Zuhause Hammelburg war, dem damaligen 1. Bürgermeister bekannt. Dass sich der Stadtrat nun zehn Jahre später entscheiden will, "Stolpersteine" für die Vergessenen zu verlegen, wiegt das Fehlen von deren Namen auf der Gedenktafel am Seelhausplatz nicht auf.

Das "Gedenken auf Augenhöhe" hat der Stadtrat vor zehn Jahren beschlossen, dieser Gedenkweg sollte weiter beschritten werden mit Korrektur der Gedenktafel. Die fehlenden Kinder, Jugendlichen und jüdischen Senioren haben das Recht, genauso wie die anderen auf Augenhöhe auf dieser Gedenktafel genannt zu werden. Darüber hinaus ist es Bürgern in Freiheit zu überlassen, für wen sie im einzelnen "Stolpersteine" stiften möchten. Die Gedenksteine sollten nicht zum billigen und für die Stadt kostengünstigen Ersatz für die fehlerhaft konzipierte Gedenktafel werden.

Charlotte Knobloch, geb. 1932, Überlebende des Holocaust, von 2006 - 2010 erste Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, lehnt die Verlegung von "Stolpersteinen" weiterhin ab, weil auf den Namen der ermordeten Juden herumgetreten wird. Daran ändert sich nichts, auch wenn der neue Zentralratsvorsitzende Dr. Josef Schuster die Verlegung der Gedenksteine befürwortet. Die Stadt Hammelburg hat sich 2010 für "ein Gedenken auf Augenhöhe" entschieden und sollte dieser Entscheidung treu bleiben mit Erneuerung bzw. Ergänzung der Gedenktafel am Seelhausplatz.

Die Verlegung und Stiftung von "Stolpersteinen" ist Bürgersache. Wenn es Bürger in Hammelburg gibt, die "Stolpersteine" stiften wollen, sollte die Stadt deren Verlegung an bestimmten Orten und Plätzen der Hammelburger Altstadt bzw. der Ortsteile baurechtlich genehmigen und sich ansonsten komplett raushalten aus der Verlegung dieser Gedenktsteine. Die Verlegung von "Stolpersteinen" ist eine freie Kunst- und Gedenkinitiative des Kölner Künstlers Günter Demnig. Der Künstler selbst entscheidet und bestimmt, für wen ein Gedenkstein verlegt wird und nicht ein politisch ernannter Arbeitskreis. 

 

 

 

 

"Stolperstein"-Verlegung ist freie Bürgersache.

 

Sehr geehrte Politiker, haltet euch bitte raus und lasst Bürger in Freiheit selbst bestimmen,

für wen sie "Stolpersteine" stiften und verlegen wollen.

 

 

 

Bürger in Freiheit gedenken lassen:

 

In der Gemeinde Windeck war es möglich:

Stolpersteinverlegung für die Hammelburgerin Ella Steinkritzer am 29.3.2012.

 

Der rot-grün regierte Stadtrat (2008 - 2014) in Hammelburg hat es nicht geschafft,

Bürgern diese Freiheit zu geben.

 

Was dabei herauskam, zeigen die vielen fehlenden Namen auf der Gedenktafel am Seelhausplatz. 

 

 


 

 

09.10.2020

 

Verlegung von "Stolpersteinen" in Hammelburg

Eine kritische Anmerkung zum Antrag der Fraktionen SPD und CBB

 

Wir haben sie noch sehr gut in Erinnerung, die abwertenden Stellungnahmen zum Kunstprojekt "Stolpersteine" des Günter Demnig im Hammelburger Stadtrat vor zehn Jahren. Damals regierte Rot-Grün im Stadtrat unter Ernst Stross, 1. Bürgermeister (SPD), Fraktionssprecher Dr. Reinhard Schaupp (SPD) und Annemarie Fell, Fraktionssprecherin der Grünen.

Der Antrag zur Verlegung von "Stolpersteinen" in Hammelburg, eingereicht vom damaligen Geschichtskreis Hammelburg, wurde abgelehnt mit der Begründung, dass man auf den im Holocaust ermordeten Juden nicht noch einmal herumtreten dürfe. Die Stadt Hammelburg würde ein sehr viel würdigeres Gedenken schaffen in Form von Gedenktafeln. 

So geschah es dann auch. In Untererthal, Westheim und in der Altstadt Hammelburgs wurden Bronzetafeln aufgestellt mit den Namen der Opfer. Was sind jetzt die Gründe, aus dem 2010 beschlossenen Gedenkkonzept wieder auszuscheren und die Verlegung von "Stolpersteinen" nun doch zu beantragen? Sind es die fehlenden bzw. falsch genannten Namen auf den Gedenktafeln? 

Schon 2010 waren die Datenbanken der Yad Vashem Data Base und des Bundesarchivs Berlin online. Die aus Hammelburg, Westheim und Untererthal stammenden Opfer des Holocaust konnten in diesen Datenbanken eruiert werden. Warum die Stadt damals bei der Konzeption der Gedenktafeln die Namenslisten der Opfer nicht abgeglichen hat mit Yad Vashem und dem Bundesarchiv bleibt schleierhaft. Auf der Gedenktafel in Hammelburg (Altstadt/Seelhausplatz) fehlen mehr als ein Dutzend Namen von im Holocaust ermordeten Kindern, Jugendlichen und Senioren.

 

Wäre es politisch nicht ehrlicher zu sagen: "Wir haben bei der Schaffung der Gedenktafeln Fehler gemacht, auf den Tafeln fehlen Namen bzw. sind Namen falsch genannt. Wir erneuern die Gedenktafeln bzw. wir ergänzen sie durch eine zweite Tafel. Die Stadt selbst bleibt bei dem 2010 beschlossenen Gedenktafel-Konzept. Darüber hinaus aber geben wir Bürgerinnen und Bürgern, die "Stolpersteine" spenden und verlegen wollen, die Freiheit, dies zu tun auf bestimmten, vom Stadtrat festgelegten Plätzen oder Gehwegen in Hammelburg (Altstadt), Westheim und Untererthal."

 

Im Foto links: Gedenktafel am Seelhausplatz (2014); Foto rechts: Stolpersteinverlegung für Ella Steinkritzer in Windeck/Rosbach (2012), wohin die gebürtige Hammelburgerin 1941 geflohen war. Denkbar wäre, die fehlenden Namen auf der Gedenktafel des Seelhausplatzes durch "Stolperstein-Verlegung" auf dem Seelhausplatz zu ergänzen. Der Namen des Gedenkplatzes sollte geändert werden, da an diesem Platz nicht an das historische Seelhaus erinnert wird, sondern an die einstige Synagoge der Stadt, die seit 1952 ein Privathaus ist,  und an die Opfer des Holocaust und der NS-Gewaltherrrschaft.

 

   

 

 

 

 


 

 

 

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